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Kulturhauptstadt setzte Zeichen

Der Knappenverein Linden - Dahlhausen und der DUC Wattenscheid betreuten die Ballons in Linden und Dahlhausen. (© bochum-lokal; FotoTaG)

SchachtZeichen nennt sich die Aktion im Kulturhauptstadtjahr an der sich vom 22. bis 30. Mai 41 Ruhrgebietsstädte beteiligen.

311 leuchtend gelbe Wetterballons stiegen dabei über bergbauhistorische Stätten in den heute klaren Himmel und bildeten angeleint in 80 Metern Höhe eine 4 000 Quadratkilometer große Kunstinstallation.

Viele Vereine, Unternehmen und Einzelpersonen stellten sich als Ballonpaten zur Verfügung. Seit Anfang des Jahres laufen die Vorbereitungen berichtete der Vorsitzende des Linden-Dahlhauser Knappenvereins Albert Hader. Erste Versuche eines Ballonstarts fanden in Essen auf Zollverein statt.

Startzeichen an der ehemaligen Zeche Dahlhauser Tiefbau. (© bochum-lokal; FotoTaG)
Wattenscheider Spielmannszug (© bochum-lokal; FotoTaG)

Während die Technik immer mehr verfeinert wurde und sich die PKW-Anhänger mit Handwinde und Ballongasflaschen zur Perfektion entwickelten, wurden alle Paten abschnittsweise in Essen Frohnhausen mit der Handhabung und den Sicherheitsvorkehrungen vertraut gemacht.

So achtete der Knappenverein nach der Befüllung des schwebenden SchachtZeichens genau auf die Uhrzeit und die Markierungen am Seil, um die genehmigten Vorgaben des Luftfahrt-Bundesamts nicht zu verletzen.

Das einholen mit der Kurbel erforderte Muskelkraft. (© bochum-lokal; FotoTaG)

Pünktlich zur Mittagszeit erhob sich wie an den anderen Bergbaustandorten auch in Dahlhausen an der ehemaligen Zeche "Dahlhauser Tiefbau" der Ballon.

In Linden, dem zweiten Standort des Vereins am Schacht I der Zeche "Friedlicher Nachbar" spielte dazu sogar der Wattenscheider Spielmannszug Eppendorf, wie könnte es anders sein, das Steigerlied. Während Karl Blume, Hermann Baumann und Werner Beckerreit in Linden von seinen Erlebnissen auf der Zeche erzählte,

Werner Dezelski und Manfred Fuchs erzählten die Geschichte der Zeche. (© bochum-lokal; FotoTaG)
Im Schlosspark wurde an die Zeche General erinnert. (© bochum-lokal; FotoTaG)

schäumten die Erinnerungen von Manfred Fuchs über, der sein Arbeitsleben auf der Zeche Dahlhauser Tiefbau verbrachte. Fast wäre er dort ums Leben gekommen, als ein Überschlag den Grubenelektriker schwer entstellte. "Die eigenen Kinder hatten Angst vor mir, so verwickelt lag ich im Krankenhaus", berichtete er den begeisterten Gästen die sich schon zum Auflass am Veranstaltungsort eingefunden hatten.

Viele Interessenten besuchten die einzelnen Schachtzeichen der Umgebung so traf man sich hier und dort wieder, wie zum Beispiel im Weitmarer Schlosspark, wo an die Zeche "General" erinnert wurde. Bei schönem Wetter erstrahlte kurz dahinter der pünktlich zum Kulturhauptstadtjahr 2010 fertig gestellte Glaskubus in der Ruine von Haus Weitmar.

Mit den Eindrücken der Galerie "Situation Kunst" die ebenfalls ihre Tore geöffnet hatte, ging es dann weiter nach Sundern an die Sternwarte und dem Wetterschacht von Friedlicher Nachbar.

Der junge Jörg Reineke hatte den Schachtzeichenballon mit einer Webcam bestückt und übertrug von der mobilen Wetterstation im VW-Bus die Bilder live auf die Projektionswand im Radom, wo zahlreiche Gäste die Ausstellung "Sputnik 50" besuchten.

Joerg Reineke bastelte an den Ballon eine Webcam. (© bochum-lokal; FotoTaG)
Blick auf die Burgruine Altendorf. (© bochum-lokal; FotoTaG)

Fahrzeugschlangen bildeten sich am Pfingstwochenende um die Bochumer Aussichtspunkte. So war der Tippelsberg nur mit Mühe zu erreichen. Sonnennebel behinderte auch die Weitsicht vom Bomin-Hochhaus und dem Restaurant im Bergmannsheil. 31 bis Stecknadelkopf große Schachtsymbole zählten scharfe Kinderaugen von der "Himmelsleiter", der Halde von "Rheinelbe" in Gelsenkirchen. Immerhin noch 21 von der "Burgruine" in Essen Burg-Altendorf.

Ebenso wie hier wurde auch den Besuchern des Luftschachts der Zeche Engelsburg am städtischen Seniorenzentrum in Bochum-Wattenscheid an der Vogelstraße ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm geboten.

Baecker- und Konditormeister Michael Strack mit Konditormeister Joerg Rehrmann (links).(© bochum-lokal; FotoTaG)

Mit der Ausstellung "Schwarzes Hüftgold" zeigte Bäcker- und Konditormeister Strack seinen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr in zartbitter. Zechentürme, Grubenloks, Kohlen und Briketts gehörten wie bebilderte Torten zur Präsentation im Seniorenzentrum. Da wurde dann spätestens auch der größte "Kulturbanause" gerne zum Kunstgenießer.

In Linden und Dahlhausen übernahm der Tauchsportverein die Regie an der Geschichtsmarke. Wer meint, Taucher kennen sich nur mit Druckluft unter Wasser aus, die verblüffte Klaus Schmidt-Waldbauer, der die versammelten Gäste mit seinen historischen Kenntnissen beindruckend unterhielt und alle in seinen Bann zog.

Dr. Dietmar Bleidick mit Thomas Jechow, Albert Hader und Begleitung. (© bochum-lokal; FotoTaG)
MdB Axel Schaefer und Dieter Herberholz in Quereburg. (© bochum-lokal; FotoTaG)

Ein eigenes Zeichen setzten die Vereinsvertreter beim Stabwechel mit dem Auflassen ihres Aktionsflyers. Mit dabei war natürlich der Projektmanager der Schachtzeichen-Bochum, Dr. Dietmar Bleidick (o. li).

Gute Stimmung herrschte auch an der Schrebergartenanlage in Querenburg an der Semperstraße, wo der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer mit zum Organisationsteam gehörte.

Musste auch der gelbe Ballon wegen des schlechten Wetters schon einmal leblos am Boden bleiben, lief im benachbarten Vereinsheim ein beeindruckendes Programm, das ein interessiertes Publikum fand.

Nach der Autorenlesung von Norbert Wagner wurden bei so manchen alten Kumpels viele Erinnerungen wach, die vom Schwärmen aus alten Tagen, bis zu ernsten gesundheitlichen Spätfolgen der "unter Tage Malocher" reichten.

Norbert Wagner las aus seinem Buch. (© bochum-lokal; FotoTaG)
Erwin Wolter mit Jana und Jasmin. (© bochum-lokal; FotoTaG)

"Die Geschichte muss überliefert werden, damit auch die nachfolgenden Generationen noch wissen, wie hier alles begonnen hat", war die einhellige Meinung. So war auch das Fernsehen nicht weit und holte die Zeitzeugen live vor die Kamera.

Eine ganz besondere Atmosphäre zeigte sich den Schachtzeichentouristen, die am letzten Freitag schon lange vor Einbruch der Dunkelheit auf den Tippelsberg gekraxelt sind. Die Abendsonne versank allmählich hinter den Industrietürmen und Halden von Bottrop am Horizont,

Abendrot zog sich schleierhaft durch den dunkelblauen Abendhimmel und zwischen künstlich beleuchteten Werksgeländen, Häusern, Schornsteinen und Zechentürmen baumelten die runden schimmernden Schachtzeichen. "Das uns erst eine Kunstinstallation zu den schönsten Stellen von Bochum führen muss?", meinten auch Dörthe und Gregoire die sich bei dem Weitblick über die Kulturmetropole zärtlich in den Arm nahmen. Autokarawanen zogen am Fuße der Halde, auf der Suche nach einem nahen Abstellplatz.

Doerthe und Gregoire auf dem Tippelsberg.(© bochum-lokal; FotoTaG)
Blick in die Ferne. (© bochum-lokal; FotoTaG)

Mit Ferngläser und Fotoapparaten folgte ein nicht abreißen-wollender Sternmarsch zur höchsten Erhebung Bochums. "Wo kommen all die Menschen her", fragten sich einige, die noch schnaubend die letzten Stufen nahmen. Wenn sich viele leuchtende Tüpfelchen in der Ferne auch nur mit starken Objektiven von Straßenlampen unterscheiden ließen, genoß man den wunderschönen Maiabend über den Wipfeln des Ruhrgebiets, bevor gegen 1 Uhr morgens nur noch der große, runde Vollmond dem Ruhrgebiet allein seinen silbernen Glanz verlieh.

Romantische Leuchtzeichen. (© bochum-lokal; FotoTaG)
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